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Darf ich im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs lügen?

Liquet AssociatesArbeitsrechtDarf ich im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs lügen?

Häufig stellen uns Mandanten die Frage, ob ihrem Arbeitgeber im Vorfeld ihrer Einstellung ein uneingeschränktes Fragerecht zusteht.

Von der Rechtsprechung wird ein uneingeschränktes Fragerecht nur anerkannt, wenn der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse an der Beantwortung einer Frage hat. Ein solches Fragerecht wird man beispielsweise bei Fragen zur Qualifikation des Bewerbers wohl bejahen.

Der Arbeitgeber darf dem Bewerber allerdings keine Fragen stellen, welche die Intimsphäre betreffen oder Stress erzeugen. Ebenfalls unzulässig sind Fragen hinsichtlich einer zu einer beabsichtigten Eheschließung, einer bestehenden Schwangerschaft (soweit es ihr möglich ist, die Arbeitsleistung dennoch zu erbringen), der Religion oder Parteizugehörigkeit sowie der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft.

Aufklärungspflicht des Bewerbers/Arbeitnehmers:

Über bestimmte Dinge muss man den (potenziellen) Arbeitgeber jedoch zwingend aufklären. Dies auch dann, wenn dieser gar nicht explizit danach fragt. Aufklärungspflichten bestehen beispielsweise dann, wenn der Bewerber /Arbeitnehmer in absehbarer Zeit eine Haftstrafe anzutreten hat, unter einer ansteckenden Krankheit leidet, schwanger oder schwerbehindert ist (und deshalb die geforderte Arbeit nicht erbringen kann) vorbestraft und deshalb ungeeignet ist oder aktuell einem nachvertraglichen Wettbewerbsverbot unterliegt, welches ihm/ihr das Tätigwerden für einen neuen Arbeitgeber einschränkt oder gar untersagt.

Lügt der Bewerber seinen Arbeitgeber über offenbarungspflichtige Umstände dennoch an, hat der Arbeitgeber das Recht, den Arbeitnehmer außerordentlich und fristlos zu kündigen.

Hat der Bewerber auf eine unzulässige Frage des Arbeitgebers eine unwahre Antwort gegeben, drohen ihm hieraus keine Nachteile.

Hat der Bewerber hingegen auf eine zulässige Frage seines Arbeitgebers die Unwahrheit geantwortet, kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis wegen arglistiger Täuschung nach § 123 Abs. 1 BGB anfechten.

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Lügen im Lebenslauf- welche rechtlichen Konsequenzen können mir drohen?

Lügen im Lebenslauf sind keine Ausnahme und häufig wird aus dem „Sprachgrundkenntnisse in Französisch“ auch ein „fließend“. Es gibt jedoch auch Täuschungen, die strafrechtliche Relevanz besitzen können. Wir erklären Ihnen die Unterschiede!

Weil viele Bewerber ihre Lebensläufe manipulieren und falsche Angaben tätigen, vergleichen Personaler die ihnen vorgelegten Lebensläufe, die zum Teil sehr detailliert von den Bewerbern formuliert werden, geradezu akribisch mit beigefügten Unterlagen wie Zeugnissen und Tätigkeitsbescheinigungen.

Ganz unüblich sind manipulierte Lebensläufe wohl nicht, wie eine Studie von Market Probe im Auftrag des Personaldienstleisters Robert Half zeigt. 71 Prozent der dafür befragten Manager gaben demzufolge an, schon einmal einen Bewerber wegen falscher Angaben im Lebenslauf aussortiert zu haben.

Sie sollten daher unbedingt bei der Wahrheit bleiben!

Häufig finden sich grenzwertige Ausschmückungen“ oder ein Bewerber versucht eine Lücke in seinem Lebenslauf -durch das Weglassen von konkreten Zeiträumen mit Datumsangabe- zu „kaschieren“. So wird schnell aus einem Mallorca-Urlaub eine „Sprachreise“ oder die eigenen Fremdsprachenkenntnisse etwas besser angegeben, als dies der Realität entspricht.

Insbesondere die Angaben zu Fremdsprachenkenntnissen kann der Personaler im Rahmen des Bewerbungsgespräches schnell und einfach überprüfen, indem das Gespräch mit dem Bewerber in der genannten Fremdsprache fortgesetzt wird.

Strafrechtliche Grenzen:

Besonders problematisch sind jedoch die Fälle, in denen der Bewerber über Abschlüsse und Approbationen getäuscht hat oder gar gefälschte Dokumente (Zeugnisse) seinen Bewerbungsunterlagen beigelegt hat. Täuschungen und Fälschungen ziehen die größten Konsequenzen mit sich.

Zum einen begehen Bewerber Urkundenfälschung und einen strafrechtlich relevanten Betrug (sog. Einstellungsbetrug) gegenüber dem Arbeitgeber, wenn sie Urkunden und Dokumente fälschen. Zum anderen muss der Bewerber als Konsequenz für sein Handeln für den Schaden des Arbeitgebers aufkommen, welchen dieser durch die Einstellung des täuschenden Bewerbers erlitten hat. Bemerkt der Arbeitgeber den Betrug des Arbeitnehmers erst Jahre später, fallen die Schadensersatzzahlungen immens aus.

Spezialisierte Detektivbüros prüfen „auffällige“ Lebensläufe

Weil falsche Angaben in Lebensläufen keine Ausnahme sind, gibt es mittlerweile sogar Detektivbüros, die auf das Aufdecken von Urkundenfälschungen und Betrug spezialisiert sind.

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